Zur Geschichte der Abteilung / des Vereins

Hockeysport beim LSC seit 1908

Im Februar 1908 wurde die Sportart "Landhockey" als neue Abteilung aufgenommen.Weitere Infos zur Entwicklung des Hockeysports beim LSC seit 1908 entnehmen Sie bitte dem unten stehenden Artikel.

90 Jahre Hockeysport beim LSC

(Artikel von Dr. Karl-Heinz Krämer in der Zeitschrift ‘Sportmuseum aktuell’ Ausg. 2/1998)

In diesem Jahr jährte sich zum neunzigsten Mal der Tag, an dem beim traditionsreichen Leipziger Sport-Club von 1901 Feldhockey als Sportart aufgenommen wurde. Der LSC - ursprünglich ein Eishockey - (Bandy-) Verein - nahm nach Tennis (im Gründungsjahr) bereits am 29. Februar 1908 als erster Leipziger Verein das Spiel mit dem Krummstab - damals noch Stockball genannt - in sein Programm. Initiator war der Club-Mitbegründer und bekannte "Allround"-Sportler Dr. Wilhelm Schomburgk. Das erste Wettspiel fand im März gegen den Akademischen Sport-Club Dresden statt und wurde von den Leipzigern trotz mangelnder Spieltechnik auf Grund der größeren Schnelligkeit (Eishockeyspieler) mit 5:1 gewonnen. Austragungsort war damals das große Sportareal ( 12 Spielfelder! ) des Vereines "Sportplatz" in Lindenau am Rande des späteren Kleinmessegeländes, auf dem bis zum Jahre 1938 auch die alte Radrennbahn stand. Nach Gründung des Deutschen Hockey-Bundes zur Jahreswende 1909/10 wurde der LSC bereits im März 1910 Mitglied, und Dr. Schomburgk war über viele Jahre Mitglied des Bundesausschusses. Ebenfalls im März 1910 fand auch das erste Damen-Hockey-Wettspiel in Sachsen statt. Die im Herbst 1909 gegründete LSC-Damenmannschaft (damals noch in langen Röcken! ) verlor in Leipzig gegen den ASV Dresden mit 1:4. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges waren dann vier Herren-, zwei Damen- und eine Schülermannschaft im Spielbetrieb. Sportliche Höhepunkte in dieser Zeit waren der Sieg der Herren beim national besetzten 2. Turnier der Dresdner Hygiene-Ausstellung im Oktober 1911 und die zweimalige siegreiche Teilnahme an der Deutschen Akademischen Hockeymeisterschaft um den von Kaiser Wilhelm II gestifteten goldenen Wanderpokal (1912 und 1913). Gleichsam der Beginn einer großen Erfolgsserie in 90 Jahren Hockeysport, auf die der alte LSC, nach dem Weltkrieg sein Nachfolgeverein, die BSG Aufbau Südwest, und nach der Wiedergründung im September 1990 der neue LSC mit Stolz zurückblicken können.

Während des Krieges lag der Sportbetrieb darnieder und beschränkte sich auf regionale Wettspiele. Erst das Spieljahr 1920/21 brachte wieder Höhepunkte mit dem 4:2-Sieg gegen eine Kopenhagener Stadtmannschaft beim Osterturnier des UHC in Hamburg und im Folgejahr mit dem Turniersieg bei der Oster-Hockey-Woche des Clubs zur Vahr Bremen. Gegen zehn beste deutsche Mannschaften wurden alle Spiele gewonnen. Dies war die Grundlage für den überragenden Erfolg bei den 1. Deutschen Kampfspielen im Juni 1922 in Berlin, wo der LSC die Mannschaften Berlins, Süd- und Norddeutschlands bezwang und die Goldmedaille gewann. Gewiss ein erster Erfolg für den später sehr bekannten Sportlehrer und Trainer Georg Richter, der vor der Einweihung der neuen großen Sportanlage des LSC in Schleußig im April 1921 eingestellt wurde. Erwähnenswert auch das erste große Osterturnier des LSC 1924 anlässlich der Fertigstellung von vier Hockey-Rasenplätzen auf der neuen Anlage mit insgesamt 37 Mannschaften (Herren, Damen, Senioren, Knaben) aus ganz Deutschland.

 

Im Folgejahr hatte sich der Club mit dem Rekordergebnis von 415:81 Toren in 74 Wettspielen (nur zwei Niederlagen und acht Unentschieden) in die Spitze der deutschen Hockeyvereine gebracht. Daraus resultierte, dass auch im Club-Jubiläumsjahr 1926 die LSC-Herrenmannschaft wieder als Vertreter des Verbandes für die 2. Deutschen Kampfspiele in Köln nominiert wurde. Erneut gewann sie die Goldmedaille - ein weiterer Erfolg für Trainer Georg Richter, der nun folgerichtig mit der Vorbereitung der Hockey-Nationalmannschaft auf die Olympiade 1928 in Amsterdam betraut wurde. Auf der Schleußiger Anlage fand am 29. April vor rund 3.000 Zuschauern das Nominierungsspiel zwischen der A- und B-Auswahl des DHB mit sechs LSC-Spielern statt. Aus dem 22-Mann-Aufgebot wurden schließlich mit Georg Brunner, Heinz Foerstendorf, Werner Freyberg, Werner Proft und Rolf Wollner fünf Spieler des Leipziger Sport-Clubs für die Olympiaauswahl nominiert, die hinter Indien und den Niederlanden die Bronzemedaille gewann (und im Oktober 1928 dann von Reichspräsident Paul von Hindenburg zur Ehrung nach Berlin eingeladen wurde).Die Nachfolger der Olympioniken kamen aus der sehr erfolgreichen 1b-Mannschaft und den starken Junioren, so dass der LSC allein in der Zeit von 1926 bis 1938 zwölf Nationalspieler stellte. In Anerkennung der damaligen Spitzen-stellung des LSC im deutschen Hockeysport vergab der DHB auch zwei Länderspiele auf die gepflegte, schöne Schleußiger Anlage (1931 Niederlande und 1932 Österreich). Eine besondere Attraktion war das Auftreten einer USA-Damenauswahl auf ihrer Europareise gegen eine LSC-ASC-Kombination am 15. 9. 1933. Sie gewann überraschend 5:0.

Besonders gern gesehene Gäste auf dem LSC-Platz waren indische Mannschaften. Bereits zum Jahreswechsel 1930/31 (!) wurde auf schneebedecktem Boden gegen eine indische Studentenauswahl gespielt (4: 1 ). Anziehungskraft für über 3.000 Zuschauer hatten unmittelbar nach den Olympischen Spielen die Vorstellungen der Sieger von 1932 (Los Angeles) und 1936 (Berlin), die mit ihren Technik- und Ballkünstlern die mitteldeutschen Verbandsauswahlen mit je fünf LSC-Spielern regelrecht verzauberten. Jahrzehnte später (1966) mussten die Inder ausgerechnet hier eine ihrer zwei Niederlagen in 31 Spielen gegen die DDR-Auswahl hinnehmen. Schütze zum 2:0 war Lothar Lippert, der nach 1968 für die Schleußiger spielte.

Ein Wandel trat nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 ein. Die Organisationsstrukturen wurden dem Führerprinzip unterworfen, die alten Verbände verschwanden, und auch der Mitteldeutsche Verband (1919 in Leipzig gegründet) wurde aufgelöst. Es wurden der Gau Sachsen gebildet und 1935 die ersten Meisterschaftsspiele durchgeführt. In der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, die bei den Herren 1937 zum ersten Mal stattfand, wurde der LSC bis 1940 viermal in Folge Landesmeister - konnte aber die Endrunde nie erreichen. Wegen des 2. Weltkrieges wurde die 1. Herrenmannschaft 1941 aufgelöst.

 

Auch der Frauen-Hockeysport beim LSC war Mitte der 20er Jahre schon deutschlandweit anerkannt und wurde durch Trainer Georg Richter stark gefördert. So gehörte die 1. Damenmannschaft mit der späteren Nationalspielern Sigrid Mauritz und der hervorragenden Deutschen Tennis-Meisterin Toni Schomburgk schon Ende der 20er Jahre zu den führenden deutschen Damen-Teams. Besonders erwähnenswert ist der Sieg über die bisher ungeschlagenen Londoner Chiswick Ladies mit 5:4 am l6.4.1930 auf der Schleußiger Anlage. Noch bis zum Beginn des Krieges waren die Damen sehr erfolgreich, errangen in Vorbereitung zur Deutschen Meisterschaft (für Frauen erstmals 1940) zweimal den Landestitel und scheiterten 1941 in Leipzig bei der Vorrunde mit 1:1 nur an der damals noch gültigen Auswärts-Torregelung am späteren Meister Würzburger Kickers. Nach dem 2. Weltkrieg kam es 1945 auf Kontrollratsbeschluss der Alliierten, den die sowjetische Militäradministration im Osten Deutschlands strikt durchsetzte, zur Auflösung der Sportvereine mit Beschlagnahmung des Vereinsvermögens (Sportanlage Schleußig). Erst allmählich wurde 1946 die Wiederaufnahme des Sportbetriebes auf kommunaler Ebene zugelassen. Anfangs spielten die Mannschaften noch unter ihren bisherigen Vereinsnamen und -strukturen. Bald wurden diese jedoch von neuen abgelöst, und viele namhafte Spieler gingen in die Westzonen. Unter den sechs Abteilungen der Sportgemeinschaft Fichte Schleußig - ab September 1949 Betriebssportgemeinschaft Bau, nachfolgend BSG Aufbau Südwest unter der Trägerschaft des VEB Bau-Union Leipzig - spielte der Hockeysport eine untergeordnete Rolle. In den Westzonen bzw. der Bundesrepublik hatten sich die Alt-LSCer wieder als Traditionsgemeinschaft formiert und spielten in verschiedenen Spitzenmannschaften (u. a. Hamburg, Bremen, Frankfurt 80) oder mit den "Alt-Inter-nationalen" der Damen und Herren auch bei Club-Turnieren.

 

In Schleußig gab es erst Mitte 1951 mit dem Übertritt von zahlreichen Spielerinnen und Spielern der ZSG Industrie Lindenau-Hafen bzw. vom alten Leipziger Ballspiel-Club (LBC, gegründet 1893) wieder einen Aufschwung. Stellvertretend für die zahlreichen "Pioniere" seien hier Heinz Endepols (jetzt Präsident des Sächsischen Hockey-Verbandes) und Heinz Schmidt genannt; beide sind noch heute Mitglieder im neuen LSC. Neben seinem Wirken in der Herrenmannschaft hat sich Heinz Schmidt über Jahrzehnte um Training und Betreuung von Kindergruppen verdient gemacht, aus denen zahlreiche bekannte Aufbauspieler und Medaillengewinner (Kinder- und Jugendspartakiade) hervorgegangen sind. Auch die Erfolge im Erwachsenensport stellten sich bald ein. So konnte 1956 die Damenmannschaft hinter dem Sportclub Rotation die Vizemeisterschaft erringen. Ein bedeutender Leistungsschub erfolgte dann nach der Auflösung der zentralen Hockey-Sportclubs nach 1964 für die Damen und nach 1968 für die Herren. Zahlreiche Leistungsträger und DDR-Nationalspieler wurden jetzt Mitglieder bei Aufbau Südwest. Besonders im Damenbereich ging es voran. Die von Ex-Nationalspieler Dr. Heinrich Kruse trainierte Mannschaft wurde 1970 erstmals Meister im Feldhockey (bis 1977 noch siebenmal in Folge und erneut 1987). Dazu kamen noch zwei Meisterschaften in der Halle ( 1966 und 1971 ). Die Herren hingegen erreichten nur 1971 hinter Einheit Zentrum (ATV) eine Vizemeisterschaft. Auch im Nachwuchsbereich blieben die Erfolge nicht aus. Nach einem überraschenden Sieg der männlichen Jugend A (1974) wurden besonders Ende der 80er Jahre mehrere DDR-Meistertitel erkämpft. Die weibliche Jugend wurde 1985 und 1987 Feldmeister und 1989 Hallenmeister. Letzter Feldhockeymeister der DDR wurden 1990 die Knaben A (U 14). Damit ging eine erfolgreiche Periode zu Ende, in der immerhin zwölf Frauen des Vereins in die DDR-Nationalmannschaft berufen wurden. Die gesellschaftliche und politische Wende bringt eine große Zäsur.

Da der Trägerbetrieb der Betriebssportgemeinschaft aufgelöst wird. erfolgt bereits am 13. 9. 1990 die Neugründung des Vereins unter seinem traditionsreichen Namen "Leipziger Sport-Club 1901 e. V". Bereits im April 1991 gibt es Verbindungen zu den Alt-LSCern anlässlich des 90jährigen Club-Jubiläums in Bad Schlangenbad, die sich in den folgenden Jahren vertiefen. Im August 1995 kommt es zur Wiederaufstellung eines Gedenksteines für die in den beiden Weltkriegen gefallenen LSC-Mitglieder auf dem Sportplatzgelände in Schleußig, das seit 1991 in den Besitz der Stadt Leipzig übertragen wurde. Anfang Mai 1996 findet in der Sportlerklause das erste Treffen der Alt-LSCer nach dem Kriege wieder in Leipzig statt (Anlass: das 95. Club-Jubiläum). Auch sportliche Erfolge sind wieder zu vermelden. Besonders hervorzuheben sind die von Roland Schmidt trainierten A-Mädchen. Sie werden sächsischer Serienmeister auf dem Feld (1995 bis 1997) und in der Halle (1995 bis 1998). Auch die männliche Jugend steht nicht nach und erkämpft 1996 zwei Landesmeistertitel (Halle und Feld). Im Erwachsenenbereich schafft die Damenmannschaft 1997 den Aufstieg in die Regionalliga (Feld), und die Oberliga-Herren werden in der Halle Sachsenmeister (1997/98). Nicht unerwähnt bleiben sollen die beiden Senioren-mannschaften. Während die Herren nur Freundschaftsspiele im nationalen Rahmen bestreiten, agieren die Damen mit mehreren Ex-Nationalspielerinnen sogar international. Sie konnten 1997 mit Erfolg am großen Turnier der "Golden Oldies" im irischen Dublin teilnehmen. Insgesamt stehen beim LSC jetzt elf Mannschaften im Punktspielbetrieb (davon acht im Kinder- und Jugendbereich). Es bleibt zu hoffen, dass der traditionsreiche Verein trotz knapper Personaldecke in allen Mannschaften weiterhin erfolgreich ins neue Jahrtausend zum 100jährigen Club-Jubiläum geht.